Bestzeiten/Personal best:

Bestzeiten/Personal best
10 km: 42 min 53 sec (2011) *** 21,1 km: 1h 37min 35sec (2009) *** 42,2 km: 3h 30min 33sec (2009) ***
56 km (Two Oceans):
4h 54min 00sec (2011) *** 89 km (Comrades uphill): 8h 49min (2015)


Sonntag, 5. Juni 2016

Comrades Marathon 2016 - alles geplant, gut trainiert - aber nicht gelaufen... Und trotzdem ein tolles Rennen

Es war anders geplant. Mein Düsseldorf Marathon Ende April 2016 sollte ein flotter Trainingslauf für meinen 6. Comrades Marathon (89 km) am 29.05.2016 werden. War er auch.

Danach war ich wegen einer Überlastung meiner rechten Wade/Achillessehne etwas zurückhaltend aber sehr zuversichtlich, den Comrades Marathon in geplanten 8 Stunden und 30 Minuten zu laufen.

Exakt zwei Wochen vor dem Rennen spürte ich ein Kratzen im Hals und vier Tage lang war ich etwas angeschlagen. Da ich aber kein Fieber hatte, war ich immer noch zuversichtlich, das Rennen zu bestreiten. Dann kam ein Husten, der unangenehm aber nicht sehr schwer war. Immer noch war ich zuversichtlich.

Andererseits hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich sehr viele Geschichten von Läufern kenne, die 2-3 Wochen nach einer Erkältung oder gar einer Grippe ein Rennen bestritten haben - und das Rennen ihr letztes war. Eine Herzmuskelentzündung ist eine heimtückische und leider nicht unübliche lebensgefährliche Erkrankung, die leider immer wieder das Leben von Athleten einfordert.

Die Entscheidung


Ich wollte nicht zu diesen Personen gehören. Die Entscheidung kam, als ich 5 Tage vor dem Rennen einen ganz lockeren, 6 km langen Trainingslauf unternahm und einen (ich sage Pseudo)-Schmerz in meiner Brust spürte. In dem Moment hatte ich wirklich Angst, dass der Comrades mein letzter Lauf sein könnte und ich entschied mich dazu, das Rennen nicht zu bestreiten.

Die Entscheidung wurde davon untermauert, dass ich ein paar Monate zuvor einem guten Freund von der Teilnahme an einem Marathon abgeraten hatte, eben weil er kurz vor dem Marathon eine Grippe hatte. Jetzt kann ich doch nicht selbst laufen - ich will doch ein gutes Vorbild sein :)

Aber der entscheidende Gedanke war der an meine Ehefrau. Kein Rennen auf der Welt ist es wert, das eigene Leben leichtfertig auf's Spiel zu setzen. Deswegen traf ich die Entscheidung und als ich diese abends mit meiner Frau besprach, war auch sie sehr erleichtert.

Wir haben nur ein Leben


Ich postete meine Entscheidung auf meiner persönlichen Facebook-Seite und der des Comrades Marathons - und war überwältigt von der Anzahl an positiven Reaktionen. Und davon, wie viele Läufer berichteten, dass sie selbst einmal eine solche Entscheidung hätten treffen sollen, sich aber für den Lauf entschieden haben und dafür einen hohen Preis zahlten - vom Abbruch des Rennens und der Einlieferung ins Krankenhaus, über eine Rippenfellentzündung, die zu 18 Monaten Sportabstinenz führte, bis hin zu einem 30-jährigen, der 90% seiner Herzleistung verlor und ein Spenderherz benötigte. 

Comrades als Besucher


Da meine Frau und ich die Reise nach Durban schon gebucht hatten, trafen wir die Entscheidung, dennoch zu fliegen und ein schönes Wochenende daraus zu machen. Und das hatten wir.

Nachfolgend einige Bilder von unserer Zeit in Durban und einige Eindrücke vom Lauf.

Es war toll, das Rennen aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und es gab keine einzige Sekunde, in der ich meine Entscheidung bedauert habe.

Denn der Comrades kommt jedes Jahr und somit habe ich noch viele Gelegenheiten, wieder eine Medaille zu holen, wenn meine Gesundheit und mein Körper mitspielen.

Zwei Tage vor dem Rennen trafen wir zufällig unsere Freundin Kerry-Ann Marshall (pinkes Shirt) und ihren Mann Nic. Kerry-Ann ist eine der besten Läuferinnen in Südafrika, wurde 6. beim Two Oceans Marathon und ebenfalls 6. beim diesjährigen Comrades Marathon.

Unser Niederländischer Freund Marco van Leeuwen auf der Comrades Expo 2016 vor seinem ersten Comrades Rennen.

Auf dem Stand von PinkDrive, einer Charity-Organisation die ich seit 2014 unterstütze

Nicht am Rennen teilzunehmen erlaubt auch mehr Freiheit beim Essen und Trinken 

Am Samstag, einen Tag vor dem Rennen, waren hunderte von Läufern auf der Promenade unterwegs

Die Promenade von Durban

Meine Frau und ich bei unserem schönen 10 km Morgenlauf

Jürgen und seine Frau, zwei Leser meines Blogs, die mich beim Frühstück ansprachen. Ich war total überwältigt und freue mich immer, wenn mich Blog-Leser ansprechen

Sonnenaufgang in Durban am Renntag

Das Ziel aus für mich ungewohnter Perspektive und noch leer, bevor die ersten Läufer ankamen

An unserem super Standort, von wo wir die Läufer exzellent sehen konnten

Nachfolgend auch noch vier Videos von den beiden ersten Läufern jeweils der Männer und der Frauen.

Der männliche Sieger, David Gatebe, brach den 8 Jahre alten Streckenrekord um 2,5 Minuten und hatte noch Energie für ein paar Liegestützen!



Der zweite, Ludwick Mamabolo, widmete dem Sieger einen kleinen Tanz, nachdem er im Ziel war.




Die Überraschungssiegerin Charné Bosman, letztes Jahr zweite, überholte die lange Zeit führende und klare Titelaspirantin Caroline Wöstmann 3 km vor dem Ziel, da sich Caroline völlig verausgabt hatte und mit massiven Krämpfen zu kämpfen hatte.




Die klare Favoritin und dann als Zweite ins Ziel kommende Caroline Wöstmann, die gehend (!) ins Stadion einbog. 



Mein Fazit

Ich hatte eine wundervolle Zeit in Durban und es war phantastisch, den Rekord der Männer mit eigenen Augen fallen zu sehen, die Dramatik bei den Damen live zu erleben und viele Stunden auf Freunde und Clubkameraden im Ziel zu warten.

Ich war zu keinem Zeitpunkt traurig und habe niemals die Entscheidung, nicht zu laufen, angezweifelt.

Falls Du jemals in einer ähnlichen Situation bist und kurz vor dem Rennen krank wirst, ganz besonders, wenn Du Fieber hast und eine Extrembelastung wie einen Ironman oder Ultra Marathon geplant hast - sag Deine Teilnahme ab! Nutze Deine Fitness später im Jahr für etwas anders, aber riskiere nicht Dein Leben.

Du hast nur ein einziges Leben - Rennen gibt es tausende...

Dienstag, 3. Mai 2016

METRO GROUP Düsseldorf Marathon 2016 - Mein Trainingslauf zwischen Two Oceans und Comrades Ultra :)


Als ich meine Reisepläne für April machte (ich bin Executive Coach und Führungskräfte-Trainer) stellte ich fest, dass ich zu dem Zeitpunkt in Düsseldorf bin, zu dem auch der METRO GROUP Düsseldorf Marathon stattfindet.

Zudem lag der Zeitpunkt (24.04.2016) genau in der Mitte zwischen dem Two Oceans Ultra Marathon Ende März und dem Comrades Ultra Ende Mai. Also entschied ich mich kurzerhand dafür, diesen Marathon als Trainingslauf in mein Trainingsprogramm aufzunehmen. Schließlich hätte ich an dem Wochenende ohnehin einen Lauf über 40-50 km absolviert. Warum also nicht in organisierter Form?

Der Marathon-Wettbewerb selbst zieht um die 4.000 Läufer an. Die Hauptattraktion des Düsseldorf Marathons ist die Marathon-Staffel. Jeweils vier Läufer teilen sich die gesamte Strecke in jeweils rund 10 km Etappen auf. Eine tolle Sache für alle Läufer, die nicht die volle Distanz laufen können oder wollen, aber an einem Marathon teilnehmen möchten. Viele Firmen und Vereine gehen insgesamt mit über 10.000 Läufern an den Start. Tolle Sache. Die Staffeln starten eine halbe Stunde nach den Marathonis. Nach 32 km überholte mich ein Staffelläufer - das muss eine ziemlich flotte Truppe gewesen sein!

Kälte

Das Frühlingswetter hat leider ausgerechnet am Marathon-Wochenende eine Auszeit genommen. War es in der Vorwoche noch ganz angenehm, wurde für das Wochenende ein Kälteeinbruch vorhergesagt. Sogar von Schneeschauern war die Rede.

Und so kam es auch. Auf dem Weg zum Start, der um 9.00 Uhr am Rheinufer statt fand, frierte ich gemeinsam mit allen anderen Läufern vor mich hin. Ich nehme immer eine kleine Wasserflasche mit an den Start - die ich dieses Mal mit sehr warmem Wasser füllte, um unterwegs zumindest ein wenig Wärme zu verspüren ;)

Erstmals trug ich bei einem Marathon nicht nur ein Laufshirt ohne Ärmel, sondern darunter ein langarmiges Shirt sowie Handschuhe.


Es hatte ca. 6°C am Start, doch der eiskalte Wind am Rheinufer drückte die gefühlte Temperatur in Richtung 0°C. Brrrrrrr. So wie alle anderen Läufer suchte ich eine Stelle, die einerseits windgeschützt war und andererseits die Chance auf ein paar Sonnenstrahlen bot. Denn entgegen der Wettervorhersage regnete es nicht bereits zum Start, sondern war nur teilweise bewölkt mit gelegentlich wärmenden Sonnenphasen.

Marathon-Strecke

Punkt 9.00 Uhr ging es los. Aufgrund des kleinen Starterfelds (ich bin aus Südafrika Starterzahlen in den 10.000ern gewöhnt) und meiner Startgruppe überquerte ich die Startlinie bereit nach wenigen Sekunden.

Die Kälte hatte zumindest den Vorteil, dass der Körper gut gekühlt wird :) auch wenn es mir ein paar Grad wärmer lieber gewesen wäre. Um nicht mit komplett kalten Muskeln zu starten, war ich 15 Minuten vor dem Start ein wenig im Kreis gejoggt.

Ich konnte ein sehr gutes Tempo vorlegen und war durchgängig in einem Tempo von 4:55 min/km - 5:15 min/km unterwegs. Die Strecke ist sehr flach. Von 4 leichten Anstiegen durch Brücken abgesehen kann man hier auf Bestzeit-Jagd gehen. Die Kurven sind recht gut zu laufen und bremsen einen, zumindest bei meinem Lauftempo, ebenfalls nicht aus.

Ab ca. km 10 hatte ich wieder ein leichtes Druckgefühl an meiner rechten Achillessehne. Beim Two Oceans Ultra vier Wochen zuvor hatte ich dort - vermutlich durch mein 5:15 Tempo über 56 km - eine nach meiner Diagnose Überlastungsreaktion hervorgerufen. Schmerzen hatte ich keine, aber es war ein konstantes, leichtes Druckgefühl. Es hinderte mich weder am Laufen, noch wurde der Druck intensiver. Aber es erinnerte mich daran, nicht zu viel zu riskieren, um meinen Comrades am 29.5.16 nicht in Gefahr zu bringen. Also hielt ich mich an ein Tempo um die 5:05 min/km, weil es einfach so gut lief.

Nach 20 km kam dann doch noch der vorhergesagte Graupel-Regen und für rund 15 Minuten gab es eine leichte Berieselung von oben. Nicht schlimm, aber ein Zeichen dafür, dass es nicht wirklich wärmer geworden war :)

Die Stimmung an der Strecke ist sehr wechselhaft. Es gibt diverse Stellen, an denen trotz des Wetters viele Zuschauer am Rand standen und Stimmung machten. Hinzu kamen mehrere Trommel-Combos, die für heiße Rhythmen und Energie sorgten. Schön ist auch der Abschnitt entlang der Edel-Einkaufsmeile Kö, wo allerdings nicht viele Zuschauer standen. Insgesamt war die Unterstützung an der Strecke ganz in Ordnung.

Ernährung

Die Versorgung auf der Strecke ist sehr gut. Es gibt alle 2,5 km einen Wasserstand, an dem vor allem auf der zweiten Hälfte regelmäßig Bananen und sogar Energie-Gels verteilt wurden.
Ich hielt mich an meine vielfach getestete Ernährungsstrategie - und hatte wieder kleine Pizza-Stückchen sowie zwei "Racebar"-Energieriegel dabei. Über die gesamte Strecke hinweg konsumierte ich 3 Pizza-Happen, einen Energieriegel und zwei Stückchen Banane. Das war's.

Aufgrund der Kälte habe ich meist nur an jedem zweiten Wasserstand ein paar Schlucke Wasser getrunken sowie gelegentlich etwas Cola, was es zum Glück ebenfalls gab. Den angebotenen Energietrunk habe ich nicht getrunken. Mir war das Risiko zu groß, ihn nicht zu vertragen - ganz nach dem Motto "Esse niemals im Rennen etwas, was Du nicht zuvor getestet hast".

Ziel

Das Ziel hatte ich bereits am Vortag in Augenschein genommen, als der Torbogen am Rheinufer aufgebaut wurde. Die letzten 3 km führen in einer kleinen Schleife vom Rheinufer weg und wieder zurück. Ich konnte mein Tempo gut halten und war sehr happy als ich mir ausrechnen konnte, dass es mit einer 3h33-Zeit klappen würde. Zwar hatte ich keinerlei Pläne für eine Bestzeit (mein Marathon-Rekord liegt bei 3h 30 min im hügeligen San Francisco), aber eine ordentliche Zeit unter 3h 40 min war mein Wunsch.

Sehr schön ist die Ziellinie, die direkt am Rhein entlang führt und die von einer - für das schlechte Wetter - ansehnlichen Zuschauermenge am Rand gesäumt war.


Bei 3h 33 Minuten 36 Sekunden (netto) blieb die Uhr stehen. Sofort stellte ich mich bei den freundlichen Damen und Herren des Deutschen Roten Kreuzes an, die an alle Läufer Rettungsdecken (die silber-goldenen) verteilten, um das Auskühlen zu verhindern. Der heftige Wind am Ufer machte es allerdings schwer, die Decke nicht zu verlieren und am Körper zu behalten. So mancher Laufgenosse sah eher aus wie ein Segelboot, wenn eine Böe die Decke in den Himmel blies.

Als nächstes erhielt ich meine Medaille - und die hat es in ihrer Größe in sich. Bislang war San Francisco nicht nur mein schnellster Marathon, sondern auch der, mit der größten Medaille. Amerika halt. Doch Düsseldorf toppt dies nun und wird zuhause an meiner Medaillenwand sehr dominant wirken.

Nach dem Zieleinlauf hat man eine ordentliche Wegstrecke in den Nachzielbereich zu absolvieren. Dort gab es zum Glück Zelte, in denen man sich etwas aufwärmen und dem Wind entkommen konnte. Und in den Zelten gab es das obligatorische Erdinger Alkoholfrei, von denen ich mir zwei genehmigte, sowie Berliner, Müsliriegel und Bananen. Nach einigen Minuten der Erholung machte ich mich dann auf den Weg zurück ins Hotel. Frieren war wieder angesagt...


Zwischenzeiten

Meine Zwischenzeiten:

10 km - 0:50:23
21.1 km - 1:45:29
30 km - 2:30:52
40 km - 3:22:38
42.2 km - 3:33:36

Erste Hälfte in 1:45:29, zweite Hälfte in 1:47:46 - ich habe also auf der zweiten Hälfte gut 2 Minuten verloren, den größte Teil davon zwischen km 30 und 40. Ist aber soweit in Ordnung.

Business Hotel Wieland

Mein Dank geht an das Business Hotel Wieland von Ron Dorn und seinem Team, bei denen ich schon seit einigen Jahren übernachte, wenn ich in Düsseldorf bin. Obwohl es Sonntags offiziell erst ab 8 Uhr Frühstück gibt, konnte ich bereits um 6:50 Uhr mein obligatorisches Marmelade-Brötchen vor dem Marathon essen.

Da ich noch am Sonntag abreiste, hätte ich eigentlich um 11 Uhr auschecken müssen. Das hätte ich nicht einmal geschafft, wenn ich den Marathon-Weltrekord gebrochen hätte :) was definitiv nicht mein Plan war. Und auch dabei kam man mir entgegen und ich konnte mein Zimmer etwas länger behalten, um noch duschen und meinen Koffer packen zu können. Herzlichen Dank an das Business Hotel Wieland http://www.hotel-wieland.de.


Nachbetrachtung

Mein Gesamtfazit für den Düsseldorf Marathon: Eine gut organisierte Veranstaltung auf einer schnellen Strecke, die sicherlich bei schönerem Wetter noch viel stimmungsvoller ist. Wer im Frühjahr einen schnellen Marathon laufen möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

Meine Achillessehne hat übrigens nach dem Rennen ein paar Tage lang geschmerzt - und die Schmerzen endeten, als ich am Donnerstag, vier Tage nach dem Rennen, wieder laufen ging.

Nun heißt es gesund bleiben, die Sehne voll auskurieren und ordentlich trainieren, um das nächste Highlight meines 2016-er Laufjahres, den Comrades Ultra Marathon am 29.5.16, zu absolvieren. Zum sechsten Mal für mich.

Noch etwas zur Medaille: Die gigantischen Ausmaße haben mich dazu verleitet, die Düsseldorfer Medaille mit denen meiner fünf Comrades-Ultra-Läufe zu vergleichen - und alle fünf passen auf die eine aus Düsseldorf drauf :)

Freitag, 25. März 2016

Auch 2016 beim Two Oceans dabei

Es ist Karfreitag, 25.3.2016 und es ist zum achten Mal der Tag vor meiner Teilnahme am Two Oceans Ultra Marathon.

Unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Ich freue mich sehr auf das Rennen und habe seit 1.1.2016 mit 740 km einen ganz guten Trainingsumfang hinlegen können. Mein Grundtempo scheint sich erhöht zu haben, und deswegen strebe ich eine Zeit von ca. 4h 55 min. Damit bliebe ich unter der 5-Stunden-Grenze und würde die in diesem Jahr besonders schöne Sainsbury Medaille erhalten.

Mal sehen, wie das Rennen läuft. Aber ich bin sehr zuversichtlich.

Meine Strategie wird sich an der von 2011 orientieren, wo ich ebenfalls unter 5 Stunden gelaufen bin:

Two Oceans Marathon (56 km) 2011


Dienstag, 24. Februar 2015

Trainieren wie die Weltrekordler

Kennst Du Renato Canova?

Der Italiener ist wohl der mit Abstand erfolgreichste Trainer in der Welt des Laufsports, mit unzähligen Weltrekordläufern unter seinen Athleten.

Besonders faszinierend: Er geht ganz offen mit seiner Trainingsphilosophie um, und auf einer anderen Website habe ich eine Übersetzung und Zusammenfassung seiner Vorgaben gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

http://www.la-coaching-academy.de/2010/2010-10-31-renato-canova-trainingsphilosophie.php

Viel Spass beim Lesen und Nachmachen :)

Montag, 16. Februar 2015

Trainingsplan für Two Oceans Ultra Marathon und Comrades

Aufgrund mehrerer Anfragen poste ich nochmals meinen Link zu meinem 2010er Trainingsplan ab Januar 2010 zur Vorbereitung auf meinen zweiten Two Oceans Ultra Marathon und den anschließenden Comrades Marathon.

Da es mein erster Comrades war, lief ich den Two Oceans als Trainingslauf und nicht volle Pulle.

Falls Dir der Plan hilft, dann freue ich mich über eine kurze Nachricht von Dir!

http://ultra-marathon-man.blogspot.com/2010/07/comrades-trainingsplantrainingsdokument.html

Keywords: Two Oceans Trainingsplan, Ultra Marathon Trainingsplan, Comrades Trainingsplan

Samstag, 14. Februar 2015

Das geht nun wirklich nicht...

...dass ich hier sein über 6 Monaten nichts mehr geschrieben habe!

Aber es geht wohl doch :)

Im Schnelldurchgang: Die zweite Jahreshälfte 2014 hatte ein Highlight im Angebot, nämlich den prestigeträchtigen Trail Wettbewerb "Three Peaks Challenge" in Kapstadt.

Dort erklimmt man auf einer Distanz von 50 km die drei markanten Gipfel "Devil's Peak", "Tafelberg" und "Lion's Head". Dabei erklimmt man insgesamt 3000 Höhenmeter.

Ein fantastisches Erlebnis, das ich nach 3 Stunden mit einer kleinen Schnittwunde am linken Knie fortgeführt habe und am Ende nach 9 Stunden im Ziel eingetrudelt bin. Mein blutverschmiertes Knie beeindruckend aus, war aber während des Laufes kein Problem. Danach waren die Schmerzen aber auch beeindruckend :(

Abgesehen davon, habe ich ein gutes Laufniveau gehalten und dennoch auch etwas regeneriert. Seit Dezember trainiere ich einen Monatsumfang von 250 - 300 km, um für meinen 7. Two Oceans Marathon am 4.4.2015 und meinen fünften Comrades Ultra Marathon am 30.5.2015 bereit zu sein.

Freitag, 6. Juni 2014

Comrades 2014 - 89 km - Der härteste Lauf meines Lebens - 01.06.2014

Es war mein 4. Comrades.
Und es war der härteste...

Der diesjährige Comrades Ultra Marathon war ein sogennanter "Down Run" von Pietermaritzburg nach Durban über 89,2 km.

"Down" kann verführerisch klingen, doch bei der Streckenführung bewältigt man insgesamt 1200 m Anstieg und 1800 m Gefälle. Es geht also nicht einfach nur den Berg runter...

Das Wetter meinte es gut mit uns. Es war am Start nicht zu kalt (ca. 12°C) und es war die ersten Stunden überwiegend bewölkt. Die erste Stunde des Laufes, der um 5.30 Uhr für die rund 14,000 Läufer gestartet wurde, erfolgt ohnehin noch vor Sonnenaufgang.

Der war dann allerdings auch gleich richtig spektakulär, mit feuerrot beleuchteten Wolken.

Auf dem Foto sieht man meine Frau und unsere Freundin Julia. Beide haben schon ihren "Versorgungsposten" nach rund 30 km Strecke bezogen und den herrlichen Sonnenaufgang festgehalten.

Die ersten 30 km liefen bei mir wirklich gut. Ich habe mich sehr zurückgehalten und darauf geachtet ein Tempo von 6:00 - 6:30 min/km zu laufen.

Eine elementare Herausforderung des Comrades ist die Länge. Am Anfang ist man frisch und munter - doch jede Minute die man hier zu schnell angeht, bezahlt man mit dem Faktor 10 auf der zweiten Hälfte.

Außerdem war ich durch meine beiden Verletzungspausen vor und nach dem Two Oceans Ultra Marathon (56 km am 19.4.14) ohnehin nicht so vorbereitet wie ich es mir gewünscht hatte.

Zum Glück waren die ersten drei Monate des Jahres sehr gut gelaufen und ich hatte zum Startzeitpunkt des Comrades rund 1200 km seit dem 1.1.14 absolviert.

Nach 30 km bzw. 3 Stunden und 10 Minuten traf ich meine Frau und übernahm eine neue Ration an Verpflegung. Sportgels, Energieriegel, etc.

Axel Rittershaus nach 30 km beim 2014 Comrades Ultra Marathon



Axel Rittershaus auf dem Stand von
PinkDrive, Comrades 2014

Die rosa Ärmlinge muss ich wohl erklären...

Ich bin dieses Jahr für die Charity-Organisation "PinkDrive" unterwegs gewesen. Diese Organisation steht im Dienste der Krebsfrüherkennung und leistet unglaubliches. Insgesamt habe ich knapp R22,000 gesammelt (ca.  Euro 1500).

All meinen Unterstützern und Spendern auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank!

In Südafrika ist diese Organisation sehr bekannt und mit den rosafarbenen Stulpen zeige ich meine Unterstützung.

Im Namen der Organisation zu laufen hat mir später sehr geholfen.

Ich hatte mir im Vorfeld mein diesjähriges "Lauf-Mantra" ausgedacht und es war in diesem Jahr folgender Gedanke:
"Jemand in einer Krebstherapie hat keine Option, diese zu beenden. Also habe auch ich keine Option, den Lauf abzubrechen."

Dies war enorm hilfreich. Denn es ist normal, dass auf der langen Strecke einmal ein mentaler Tiefpunkt kommt, durch den man hindurch muss. Dieser Gedanke war aber schon so verinnerlicht, dass ich durch mein Tief, das mehr als 15 km und ca 1,75 Stunden gedauert hat, durchgekommen bin. Dazu später mehr...

Nachfolgend noch ein paar Stimmungsbilder von km 30:






Die beiden Damen in rot auf obigen Foto sind Olesya & Elena Nurgalieva. Die russischen Zwillinge domineiren den Ultra-Sport seit einem Jahrzehnt mit (zusammengenommen) 12x Comrades Siegen von 2003-2013 sowie 7x Two Oceans Siegen zwischen 2004 und 2012. Dieses Jahr sind sie 2. und 3. geworden.

Und auf dem folgenden Bild sieht man die beiden etwas entspannter - am Tag VOR dem Rennen :)

Olesya & Elena Nurgalieva & Axel Rittershaus, Comrades 2014
So, zurück zum Rennen.
Nachfolgendes Bild zeigt ein wichtiges Detail. Ein rotes Schild mit der Aufschrift 59 km.



Wie bei jedem offiziellen Rennen findet man nach jedem km einen solchen km-Marker.

Das tückische beim Comrades: Man sieht nicht die bereits gelaufenen km. Sondern die NOCH zu laufenden.

D.h. das erste Schild, das man zu sehen bekommt, zeigt eine "89 km" Aufschrift.

Nicht wirklich ermutigend...

Obiges Schild steht somit bei 30 km gelaufen / noch 59 km zu laufen.

Es ist extrem wichtig, diese km-Marker zu ignorieren. Man kann durchaus registrieren, dass man einen weiteren km gelaufen ist. Auch das Stoppen der km-Zeit ist in Ordnung.

Aber man bringt sich um den Verstand, wenn man z.B. nach bereits gelaufenen 40 m auf dem Schild eine 49 sieht und sich fragt, wie man noch so lange laufen kann...

Zurück zum Rennen:
Der Stopp und das Treffen mit meiner Frau waren sehr schön und weiter gings.

Die Strecke ist weiterhin bergig und bis zur Halbzeit-Marke bei knapp 45 km geht es teilweise ordentlich den Berg hoch.


Der mächtige "Sub 9h Bus" - d.h. ein Tempomacher
mit Gefolge, der in weniger als 9 Stunden ins Ziel kommen wird.
Ich bin dieses Jahr zu langsam dafür...


Ein weiterer Läufer für "PinkDrive"


Ich war weiterhin konservativ unterwegs. Bei ca. km 35 traf ich einen der sehr starken (und ca. 10 Jahre jüngeren) Läufer meines Clubs wieder, der weit vor mit gelegen war. Er musste sein Tempo zurücknehmen, weil er wohl doch nicht von einer 2 Woche vorher zugezogenen Erklältung genesen war.

Die Halbzeit oder besser gesagt "Halbweg"-Marke erreichte ich nach ca. 4Stunden 40 Minuten.

Für meine Traumzeit von weniger als 9 Stunden zwar schon langsam, aber bei einer optimalen 2. Hälfte wäre da noch eine "Sub 9" möglich gewesen.

Doch die Strecke geht immer noch nicht bergab... Trotz "down run" :(

Ich war fast 5 Stunden unterwegs und jetzt schlug das Wetter zu.

Es wurde zunehmend warm und vor allem schwül. Ich habe jetzt (nach dem Rennen) gelesen, dass die Luftfeuchtigkeit auf fast 75% hochgegangen war.

Das hat mir mächtig zugesetzt.

Bei km 56 (33 to go) traf ich meine Frau wieder. Ich sah wohl noch ganz fit aus, da die umstehenden Zuschauer meinten "der schwitzt ja nicht einmal".

Aber ich spürte, dass es jetzt wirklich hart werden wird.

Axel und Silke Rittershaus bei km 56, Comrades 2014

Bei "31 km to go" begann meine Leidenszeit.

Nachfolgend ein Auszug meiner Laufleistung, aufgezeichnet mit meiner Polar RS400 Uhr. Die blaue, sehr stark gezackte Linie zeigt meine tatsächliche Geschwindigkeit.
Oben auf der Achse = schnell laufend
Unten auf der Achse = langsam gehend


Ich musste noch NIE in meinem Leben so viele Geh-Pausen machen wie bei diesem Lauf. Bei jedem km!

Das muss man sich einmal vorstellen: Ich laufe normalerweise (relativ) locker einen Marathon in 3Stunden 45 Minuten. Und jetzt kann ich nicht einen einzigen km durchlaufen!

Das verrückte daran: Es ging überwiegend bergab. Und ich konnte bergab nicht laufen sondern musste gehen...

Das ist mental ein echter Horror!!!

Ich habe es eine Zeitlang mit der "Straßenlampen-Taktik" versucht. Was das ist?

Man sieht eine Straßenlampe und sagt sich "ok, bis dorthin läufst Du noch und dann gehst Du von diesem Pfosten bis zum nächsten. Dann läufst Du wieder". Das hat anfangs noch geklappt. Später nicht mehr.

Ca. 16 km lang (von 31 - 15 km to go) habe ich gelitten wie irre.

Mein Glück war nur, dass ich weder Schmerzen noch Krämpfe hatte. Ich war nur so fertig, dass ich einfach nicht durchgehend laufen konnte.

Bei 15 km to go (d.h. km 76) fühlte ich mich langsam wieder etwas besser.

Man sagt, dass jeder Läufer einmal eine schwierige Phase während des Comrades durchmacht. Manchmal kurz, manchmal lang. Meine war über 1,75 Stunden lang. Lang....

Bei 9 km to go fühlte ich mich wieder wie ein Lebender. Es war ein unglaubliches Glücksgefühlt, als ich erstmals wieder einen km (84 - 85) durchlaufen konnte.

Doch sogar auf den finalen 1500m musste ich nochmals kurz gehen, aber wirklich nur ganz kurz.

Während der Leidenszeit habe ich meiner Frau immer wieder SMS-Nachrichten geschickt, damit sie ungefähr weiss, wann ich ins Ziel komme.

Sie hat mir immer wieder aufmunternde SMSe zurückgeschickt.

SMS-Schreiben und -Lesen war übrigens immer ein sehr guter Grund für eine Walk-Pause :)

Bei ca. 9 km to go hatte ich wieder Hoffnung, in weniger als 10 Stunden ins Ziel zu kommen. Das war mein Minimalziel.

Und dann kam das Stadion in Sichtweite und ich war erleichtert wie noch nie zuvor!







Mit 9 Stunden 46 Minuten war ich 20 Minuten langsamer als bei meiner Bestzeit. Aber was soll es.

Mit den Verletzungen vor und nach dem Two Oceans, also kurz vor dem Comrades, kann ich froh sein, überhaupt gelaufen zu sein. Schmerzfrei!

Das "PinkDrive" Team hatte im Stadion eine der Logen im Rugby-Stadion zur Verfügung gestellt bekommen.

Dort gab es Bier (das beste Getränk nach einem solchen Lauf) sowie eine Fuß- und Schulter-Massage. Das war genial!!!






Wir blieben dann noch bis zum dramatisch-tragischen Ende des Comrades.

Nach 12 Stunden ist Zielschluss. Wer 1 Sekunde später ankommt, ist offiziell nicht angekommen!

Das Stadion tobt in den letzten Minuten, um möglichst viele Läufer noch über die Ziellinie zu bringen. Es ist sehr bewegend dort zu stehen und zu wissen, dass diese Läufer so wie man selbst um 5:30 Uhr morgens gestartet sind und jetzt wegen einiger Sekunden oder Minuten ihre Medaille verpassen.

Die offiziellen Zahlen:

Starters: 14620
Finishers: 11984





Zurück im Hotel gab es noch eine schöne Überraschung: Das Hilton Hotel Durban hat aus den bisherigen Comrades' gelernt - und stand mit einem großen Eis-Wagen an den Aufzügen.

Nein, kein Vanille- oder Schoko-Eis.

Eiswürfel für ein Eisbad natürlich!!!

Nach einer langen heißen Dusche habe ich tatsächlich noch ca. 10 Minuten ein Eisbad für die Beine gemacht. Das ist zwar kalt, aber gut :)

Und danach gab es viel, gutes Essen, Bier und Nachtisch. Schließlich habe ich ca. 8000 kcal verbrannt...

Die Comrades Medaille ist übrigens bei weitem die kleinste, die sich in meiner Sammlung findet :)

Ich danke von Herzen allen Spendern für PinkDrive, allen Freunden und der Familie, für die aufmunternden Worte und Gedanken vor dem Rennen.

Vor allem Danke ich meiner Frau für ihre Top-Unterstützung an der Strecke. Silke, ich liebe Dich!


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